Aktion NOTEINGANG
In Kooperation mit vielen Initiativen aus dem Bereich der Evangelischen Kirchen in NRW hat das Bündnisbüro für Toleranz und Zivilcourage der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) am 22. Februar 2003 in Haus Villigst / Schwerte die Aktion NOTEINGANG gestartet.
Bei der Aktion NOTEINGANG geht es darum, weitere Bündnispartner zu suchen und zu finden und dann zum Beispiel an der Haus-, Laden-, Auto-, Dienststellentür usw. den DIN A 5 Aufkleber anzubringen. Mit diesem Aufkleber sollen alle Menschen angesprochen werden, die in Bedrohungs- oder Gewaltsituationen Schutz benötigen. Jeder Mensch kann in eine Situation geraten, in der er Hilfe benötigt. Gut ist es dann zu wissen, wo ich Hilfe bekomme. Hilfeleistung für Menschen in Not ist Bürgerpflicht und eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Oft ist dies in Vergessenheit geraten.
Die Aktion NOTEINGANG kann ein geeignetes Mittel sein, wenn es darum geht, Sensibilität, Zivilcourage und Solidarität zu entwickeln und zu stabilisieren. Gestützt wird diese Aktion durch den Aufruf von Präses Manfred Sorg zur Beteiligung an dem Bündnis für Toleranz und Zivilcourage und den Start einer Kampagne, um die Ursachen von Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit aufzuspüren und den bekannten Auswirkungen zielgerichtet entgegenzutreten. Je größer die Zahl derer wird, die sich an der Aktion beteiligen, desto deutlicher wächst das Bekenntnis unserer Gesellschaft zu Zivilcourage und Solidarität. Von daher macht es Sinn, die Aktion NOTEINGANG auch im Rahmen des Bündnisses für Toleranz und Zivilcourage zu starten und Bündnispartner/innen in allen Bereichen zu suchen und zu finden.
Die Aktion NOTEINGANG entstand 1998 in Bernau / Kreis Barnim in Brandenburg, wurde 2000 mit dem Aachener Friedenspreis ausgezeichnet und ist zwischenzeitlich in Städten wie Berlin, Braunschweig, Dortmund, Frankfurt-Oder, Mülheim-Ruhr, Halle u.a. realisiert worden. Dabei ist es oft zu guten Kooperationen mit z. B. den regionalen Einzelhandelsverbänden, den Ausländerbeiräten, der Polizei, den Kirchen, der Bäckerinnung, den Jugendhäusern, den Taxibetreiber/innen, Pommesbuden usw. gekommen.
Erläuterungen zur Aktion NOTEINGANG Begründet wurde die Aktion Noteingang im Jahre 1998 in Bernau / Brandenburg als unmittelbare Folge rechtsextremer Übergriffe auf zwei ausländische Mitbürger. Im Jahre 2000 erhielt diese Aktion durch die Auszeichnung mit dem Aachener Friedenspreis eine bundesweite Anerkennung. Zahlreiche andere Städte, z.B. Berlin, Braunschweig, Dortmund, Frankfurt/Oder und Halle, haben sich ihr inzwischen angeschlossen.
Im Bündnis für Toleranz und Zivilcourage soll mit der Aktion NOTEINGANG gewalttätigen, antisemitischen, rassistischen, diskriminierenden Angriffen vorgebeugt werden.
Sollte es dennoch zu einer Gefahrensituation kommen, signalisiert der Aufkleber Bereitschaft zur Hilfe. So werden Sensibilität für Gewalt entwickelt, Solidarität mit den Betroffenen gezeigt und Unterstützungsmöglichkeiten für mögliche Opfer geschaffen, denn:
- Jeder kann in eine Situation geraten, in der er Hilfe benötigt. Auch Sie! Niemand ist dann gerne allein.
- Hilfeleistung für Menschen in Not ist Bürgerpflicht und eine Selbstverständlichkeit. Oft gerät dies in Vergessenheit. Die Aktion NOTEINGANG signalisiert, dass Sie bereit sind, aktiv Hilfe zu leisten.
- Die Aktion NOTEINGANG schafft nicht nur Solidarität mit möglichen Opfern sondern auch mit hilfsbereiten Menschen.
- Meinungsbildung braucht Signale! Diese fließen ein in die öffentliche Diskussion und Meinung und haben Wirkungen wie z. B. in der beabsichtigten Ablehnung jeder Form von Gewalt.
- Gewalt hat viele Gesichter – Hilfe auch: Couragierte Menschen, eine offene Tür, ein Telefonat, ein schützender Raum, ein Gespräch…
Verhaltenstipps für den Ernstfall der Aktion NOTEINGANG
-
Seien Sie vorbereitet Eine Bedrohungssituation entsteht oft plötzlich. Schon vorher eine solche Situation durchzuspielen, kann durchaus hilfreich sein. Versetzen Sie sich in die Rolle des Opfers oder eines Zeugen, wenn ein Mensch belästigt, bedroht oder gar angegriffen wird. Überlegen Sie, was Sie in einer solchen Situation fühlen würden. Stellen Sie sich Ihre verschiedenen Handlungsmöglichkeiten vor: Im Ernstfall kann alles sehr schnell gehen. Trainings zur konstruktiven Konfliktbearbeitung und zur Deeskalation von Bedrohungs- und Gewaltsituationen bietet das Amt für Jugendarbeit der EKvW (http://www.gewalt-akademie.de/) laufend an.
-
Bleiben Sie ruhig Konzentrieren Sie sich darauf, das zu tun, was notwendig ist. Vermeiden Sie provokantes Auftreten und hastige Bewegungen, um einen Angreifer nicht zusätzlich herauszufordern.
-
Reagieren Sie aktiv Zeigen Sie, dass es Ihnen nicht gleichgültig ist, was passiert. Reagieren Sie sofort. Warten Sie nicht, dass Andere helfen. Jede Handlung verändert die Situation und kann Andere dazu bringen, ebenfalls einzugreifen. Nehmen Sie Blickkontakt zum Opfer auf, das vermindert die Angst. Sprechen Sie das Opfer direkt an: „Ich helfe Ihnen!“.
-
Begeben Sie sich nicht in Gefahr Spielen Sie nicht den Helden. Drohen Sie dem Angreifer nicht und werten Sie ihn nicht persönlich ab. Versuchen Sie, mit dem Angreifer ein Gespräch aufzunehmen, es könnte die Situation entspannen. Verhalten Sie sich nicht unterwürfig – das würde den Täter stärken. Bringen Sie das mögliche Opfer sofort aus dem Sichtfeld des Angreifers und in Sicherheit.
-
Machen Sie Andere aufmerksam Versuchen Sie, möglichst viele Menschen auf die Situation aufmerksam zu machen. Schreien Sie laut, am besten „Hilfe - Feuer!“, darauf reagiert jeder. In Straßenbahnen und U-Bahnen: Ziehen Sie die Notbremse. In Bussen: Alarmieren Sie den Fahrer oder die Mitfahrenden. Gewalttäter scheuen die Öffentlichkeit und die Gefahr, wieder erkannt zu werden.
-
Aktivieren Sie Andere zur Hilfe Rufen Sie einzelne Personen direkt zur Hilfeleistung auf, statt die Allgemeinheit anzusprechen. Viele sind bereit zu helfen, wenn ein erster Schritt getan ist und sie persönlich angesprochen werden. „Hallo, Sie mit der blauen Jacke …“
-
Rufen Sie die Polizei –Telefon 110 Falls ein direktes Eingreifen zu gefährlich ist, alarmieren Sie umgehend die Polizei. Auch bei Handys ist die Rufnummer 110 kostenlos. Beobachten Sie genau und merken Sie sich das Aussehen, Kleidung und Fluchtweg der Täter. Melden Sie sich als Zeuge.
|