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Das Rußland-Projekt des Jugendzentrums TEMPEL
Angefangen hatte alles damit, daß ein Mitglied des Jugendausschusses unserer Gemeinde, Werner Stepan, der im Diakonischen Werk in Düsseldorf arbeitet, im TEMPEL nachfragte, ob wir an einem Projekt in Rußland interessiert seien.
Werner Stepan hatte schon zahlreiche Projekte in Rußland durchgeführt, suchte aber noch eine Einrichtung, die im Jugendbereich aktiv werden kann.
Klar, das alle Leute aus dem TEMPEL sofort Feuer und Flamme für so ein Projekt waren - Rußland, das war bis vor einiger Zeit ein noch absolut fremdartiges, für uns bis dahin völlig unbekanntes Land. Aber gerade das macht ja den Reiz und die Lust aufs Abenteuer aus.
Die ersten Gespräche, auch mit russischen Gästen, wie denn ein solches Projekt aussehen könne, was wir machen könnten und vor allem wo, fanden dann Ende 1993 statt.
Unsere Partnerstadt in Rußland ist Wologda und schon bald stand fest, dass uns die Stadt dort ein Haus zur Verfügung stellen würde, in dem einmal eine Jugendeinrichtung entstehen soll.
Dazu muß man wissen, daß nach den dramatischen politischen wie sozialen Entwicklungen in den letzten Jahren in Rußland fast alles zusammengebrochen ist. Einrichtungen für Kinder, Jugendliche, alte und kranke Menschen existieren zum Teil überhaupt nicht mehr oder arbeiten unter wirklich katastrophalen Bedingungen, weil kein Geld da ist, um zumindest die Grundbedürfnisse zu erfüllen.
Jugendarbeit, wie sie in Deutschland praktiziert wird, Häuser der Offenen Tür, wie z.B. der TEMPEL, sind in Rußland noch völlig unbekannt.
Unser Projekt begann im März ´94.
Wir sind mit 16 Jugendlichen aus dem TEMPEL nach Moskau geflogen und von dort mit dem Bus in einer abenteuerlichen Fahrt die 500 Km nach Wologda gefahren.
Unsere Partnergruppe dort waren Studenten und Studentinnen der dortigen pädagogischen Hochschule, die alle, zu unserer freudigen Überraschung, sehr gut deutsch sprachen.
Das Haus von der Stadt stellte sich allerdings als eine Bruchbude heraus, unsere Annahme, zusammen mit der russischen Gruppe einige Wände zu tapezieren, für Beleuchtung, Möbel, Farbe usw. zu sorgen, stellte sich als falsch heraus.
Das Haus, das wir vorfanden, mußten wir erst einmal einreißen, um es wieder neu aufbauen zu können. Das haben wir dann auch getan. Bei bis zu 20 Grad unter Null haben wir mit 20 russischen und 16 deutschen Leuten Wände und Böden herausgerissen, Schutt entfernt und das gesamte Haus erst einmal in einen Rohbauzustand versetzt.
Wir konnten selbst kaum glauben, wie schnell die Arbeit vorwärts ging und in Rußland hatte man so etwas wohl lange nicht gesehen. Alles machte den Eindruck eines einzigen Chaos, aber 4o Leute können innerhalb kürzester Zeit eine ungeheure Menge bewältigen. So konnten wir nach drei Tagen schon beginnen, neue Wände hochzuziehen, inzwischen war auch ein Architekt auf der Baustelle.
Parallel zu der Arbeit im Haus haben wir eine Fortbildung über Offene Jugendarbeit am Beispiel des TEMPELs durchgeführt, mehrere Jugend- und Kindereinrichtungen, unzählige Museen und Kirchen in und um Wologda besichtigt.
Das Projekt war, nicht zuletzt weil die russische und deutsche Gruppe sich sofort angefreundet hatten und nach zwei Tagen schon nicht mehr auseinanderzuhalten war, ein voller Erfolg.
Die zehn Tage in Rußland kamen uns wie zehn Monate vor, so kurz waren die Nächte und so intensiv die Tage.
Das Projekt wird noch lange nicht zu Ende sein.
Die russische PartnerInnengruppe war im darauffolgenden Oktober zu einem Gegenbesuch bei uns zu Gast und im Herbst begleiteten 3 Leute aus dem TEMPEL einen Transport mit Hilfsgütern und Ausrüstungsgegenständen für das Jugendzentrum nach Wologda. Der Gegenbesuch der russischen Gruppe und der Transport waren nur möglich, weil alle Leute aus dem TEMPEL und die gesamte Kirchengemeinde Spenden zur Finanzierung gesammelt haben. Wenn man bedenkt, daß ein durchschnittlicher Monatslohn in Rußland 1994 ca. 30.- DM betrug, kann man sich vorstellen, was auch die kleinste Spende bewirken kann.
Der Vorteil unseres Projektes liegt darin, dass es in einem direkten Zusammenhang und Austausch aller Beteiligten untereinander steht und wir somit ausschließen können, daß mit Spendengelder und -gütern Schindluder getrieben wird.
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