|
Bericht über die Fortführung eines Jugendprojektes in Wologda des Jugendzentrums TEMPEL vom 14. Juli bis 2. August 1995
Eine Gruppe von 16 Jugendlichen des Jugendzentrums TEMPEL ist in diesem Sommer zur Fortführung des Projektes der Errichtung einer Jugendeinrichtung in der russischen Stadt Wologda gefahren. Die Fahrt mit drei Kleinbussen wurde so gut es von Deutschland aus möglich ist, vorbereitet. Die Entscheidung, dieses Mal nicht nach Rußland zu fliegen, sondern Fahrzeuge zu benutzen, machte die Vorbereitungen äußerst kompliziert. Berichte in den Medien von Überfällen und Schikanen vor allem auf dem Gebiet von Weißrußland, schreckten uns anfangs etwas ab. Deshalb wurde ein Angebot der russischen Seite, uns mit einem Militärfahrzeug ab der weißrussischen Grenze zu begleiten, dankbar angenommen. Diese Entscheidung stellte sich im nachhinein allerdings als überflüssig heraus, so dass wir auf der Rückfahrt auf das Begleitfahrzeug verzichteten. Dies auch um sicherer zu reisen, da es kein Vergnügen war, hinter einem Militärfahrzeug mit 120 KM/H mit drei Bussen über die “Straßen” Rußlands zu rasen. Über den Fortgang unseres Projektes wußten wir zu Beginn unserer Fahrt noch recht wenig, da sich die Kommunikation mit den russischen PartnerInnen von Deutschland aus als sehr schwierig herausgestellt hat. Das Haus, in dem wir unser Projekt 1994 begonnen hatten, stand nicht mehr zur Verfügung und ob sich in der Zwischenzeit ein neues Objekt gefunden hat, wußten wir noch nicht. Um nicht tatenlos zu bleiben, haben wir eine Druckmaschine und einige Spendengelder für das Projekt mitgenommen, außerdem jede Menge Werkzeug, Kleinteile und Materialien, um auf alles vorbereitet zu sein. Wir erreichten Rußland nach einer Fahrt von vier anstrengenden Tagen ohne größere Komplikationen und trafen dort auf die Gruppe russischer StudentInnen, die mit uns an diesem Projekt arbeitet. Am nächsten Tag erfuhren wir dann, daß die Stadt Wologda für das Projekt ein Haus gefunden hat und das dieses Haus auch Platz für andere geplante Projekte, wie eine Nähstube, die Jugendberufshilfe, eine Jobbörse und das Jugendzentrum bietet. russland2005_1.jpgDas Haus war früher ein Kindergarten und wurde wegen fehlender Mittel und Unterbelegung im März dieses Jahres geschlossen, jetzt gehört das Haus einer sog. “Organisation für sozialen Schutz”, die das Nähstubenprojekt innerhalb unseres Gesamtprojektes durchführt. Die Besichtigung des Hauses überraschte uns alle. Es ist groß genug, um alle Projekte darin unterzubringen und hat ein riesiges, parkähnliches Außengelände. Zudem ist der Allgemeinzustand überraschend gut. Unser erster Gedanke war, hier könnte die geplante Jugendarbeit am nächsten Tag beginnen, also rein mit den Möbeln, die wir im letzten Jahr nach Wologda gebracht haben und los geht’s. Aber dies geht natürlich nicht, die Finanzierung des Hauses sei gesichert, so versicherte man uns, aber die Gehälter für die Angestellten der einzelnen Projekte habe man noch nicht auftreiben können, hier werden noch Anträge unter anderem an die Europäische Union gestellt, was natürlich einige Zeit in Anspruch nimmt. Nach langen Verhandlungen und eingehender Diskussion hat die Projektgruppe entschieden, die Finanzierung von drei Wächtern im Schichtdienst und eines Direktors für das Haus auf sechs Monate mit den Spendengeldern zu sichern. Eine Bewachung des Hauses ist dringend notwendig, wie die Erfahrungen mit dem ersten Haus unseres Projektes gezeigt haben, welches nach kurzer Zeit hauptsächlich durch Vandalismus zerstört wurde. Wenn man bedenkt, daß das Gehalt eines Wächter 50.- DM und das des Direktors 200.- DM im Monat beträgt, sind dies im Gegensatz zu den übrigen Kosten des Projektes für Material, Renovierung, Ausrüstung etc., relativ geringe Beträge. Also haben wir uns entschieden, kleinere Reparaturarbeiten am Haus auszuführen, das Dach soweit wiederherzustellen, daß es den Winter übersteht, Pläne zu zeichnen und erste Konzeptionen für die Jugendeinrichtung auszuarbeiten. Parallel dazu hat eine Gruppe unseres Projektes eine Kirche in Wologda, die einer Gemeinde ohne Pfarrer gehört, mit renoviert, alles in allem ein äußerst abenteuerliches Unternehmen, da Schutzmaßnahmen auf dem Bau in Rußland unbekannt sind. russland2005_2.jpgAuch wurde die Kontakte zu einem uns befreundeten Pater aus Wologda, Pater Alexander, neu aufgenommen. In seiner Kirche haben wir die Druckmaschine aufgebaut und eine Einführung in das Drucken abgehalten, erste Ergebnisse konnten wir schon in den nächsten Tagen sehen. Im Gegenzug durften wir unser Zeltlager in der Nähe seiner Datscha (Wochenendhaus) an einem kleinen Fluß aufschlagen. Wir haben wieder viele neue und interessante Kontakte zu den Menschen in Wologda bekommen, können die Berichte über Gefahren durch Überfälle und Schikanen in keiner Weise bestätigen. Im Gegenteil haben wir mehr Hilfsbereitschaft und Interesse an unserer Gruppe und unserem Projekt gefunden, als wir erwartet hatten. Alles in allem sehen wir guten Mutes der Zukunft unseres Projektes entgegen. Wir stehen am Anfang einer langen Partnerschaft mit unseren russischen FreundInnen und werden im Sommer nächsten Jahres zur Fortführung des Projektes wieder dorthin fahren.
|